KN Artikel

Am 6. Februar 2018 veröffentliche die KN nach längerer Zeit mal wieder einen Artikel über uns. Diesen dokumentieren wir wie immer hier.

http://www.kn-online.de/Kiel/Aktivisten-in-Kiel-Wellsee-So-kommt-die-Wagengruppe-ueber-den-Winter

Allerdings diesmal mit einigen Anmerkungen:

  • wir halten die Online-Version für verkürzt dargestellt und stellen darum hier also auch die Print-Version dar
  • Wir  sind uns nach wie vor – unabhängig davon was die Stadt Kiel sagt – sicher, dass wir bereits über eine zweistellige Zahl von Flächen mit der Stadt Kiel im Gespräch waren/sind
  • Der Satz mit der Komposttoilette wurde vielfach falsch verstanden. Darum hier nochmal eindeutig: JA, auch im Winter wird natürlich eine Komposttoilette etc genutzt…

 

Solidaritätserklärung Subrosa

Ende April entstand in Kiel mit der Besetzung des Kleingartengeländes Prüner Schlag ein großartiges Projekt. Eine Gruppe hat sich gefunden, um gemeinsam einen Raum zu gestalten, Ideen zu verwirklichen, eine nachhaltige Wohnform zu leben und einen offenen Ort für alle Menschen zu bieten. Binnen kürzester Zeit entstand ein vielfältig genutzter Raum für unkommerzielle Kultur, kritische Auseinandersetzung mit der (Stadt-)Politik und ein solidarisches Miteinander.
Die Stadt machte sehr schnell deutlich, wo ihr Schwerpunkt liegt. Statt den Bedürfnissen nach einem Wagenplatz der Kieler*innen nachzugehen, wurde das Schlagloch nach gut 4 Wochen geräumt. Seitdem sind die Bewohner*innen der Wagengruppe Schlagloch gezwungen auf wechselnden Standstreifen zu leben. Die Lösungsfindung von Seiten der Stadt schreitet nur schleppend voran. Es wird klar, dass die stadtpolitische Entwicklung ihren Fokus auf profitorientierte Großprojekte, wie neue Schwimmbäder, Hotels oder Möbelhäuser legt. Nicht aber auf bezahlbare, solidarisch gestaltete oder selbstverwaltete Wohnräume. Im Gegenteil wird gar behauptet, es gäbe ja bereits alternative Projekte in Kiel. Da dies zum Teil aber kommerzialisierte Orte sind und es keine Möglichkeit gibt dort zu leben, bringt dieser Hinweis niemanden voran.

Die Wagengruppe Schlagloch beweist, dass das kollektive Handeln und Entscheiden zu wunderbaren Ideen führt. Aus jahrzehntelanger Kollektiverfahrung wissen wir, dass die Debatten, die im Kollektiv stattfinden durch die vielen Perspektiven bereichernd, kreativ und einander unterstützend sind. Entscheidungen werden gemeinsam auf die Bedürfnisse aller achtend getroffen. Dies ist auch die Stärke der Wagengruppe Schlagloch, in der von Anfang an in einer gleichberechtigten Struktur kollektiv entschieden und gehandelt wurde.
In kollektiven Strukturen geht es um mehr als Profitorientierung, da gemeinsam Verantwortung getragen und übernommen wird – unabhängig der finanziellen Vergütung der getanen Arbeit. Es entsteht eine tiefe Verbundenheit dem Projekt und den anderen Kollektivmitgliedern gegenüber. Dies ist so wichtig in einem Kontext, in dem Lohnarbeit den Alltag beherrscht, als etwas Unabdingbares betrachtet wird und das kapitalistische Profitdenken bis ins Privatleben der Menschen vorgedrungen ist. Eine Quelle der Hoffnung für eine Alternative zu diesem ist die Wagengruppe Schlagloch.

Hiermit wollen wir als das Subrosa Kneipenkollektiv unsere tiefe Solidarität mit der Wagengruppe Schlagloch kundtun. Wir sind überzeugt davon, dass in der gemeinsamen Gestaltung von Räumen und Projekten Großartiges entsteht. Kiel braucht einen Freiraum, wie ihn die Wagengruppe entwickelt!
Von der Stadt fordern wir, der Wagengruppe Schlagloch einen dauerhaften Platz zur Verfügung zu stellen!

Unseren Freund*innen vom Schlagloch wünschen wir viel Kraft, Ausdauer und Kreativität.
Ihr macht das toll, macht weiter so!

Be careful with each other to be dangerous together

Externe Presse der letzten Wochen

kn, 27.6. >      http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Suche-nach-Platz-in-Kiel-Wagengruppe-jetzt-in-der-Hofteichstrasse

kiel aktuell, 20.6. >    https://kielaktuell.wordpress.com/2017/06/20/kieler-wagengruppe-schlagloch-jetzt-in-der-hofteichstrasse/

kn, 15.6. >     http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Ziel-ungewiss-Besetzer-haben-das-Weite-gesucht

kn, 14.6. >      http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Pruener-Schlag-in-Kiel-Debatten-ueber-Wagen-am-Wegesrand

 

Solidaritätserklärung vom Aubrook

Wir, der Aubrook 100, lieben das kreative und experimentelle Leben in
selbstgestalteten Wagen und Hütten und wünschen diese Möglichkeit allen Menschen. Darum erklären wir uns solidarisch mit der Wagengruppe Schlagloch, die sich seit etwa 2 Monaten friedlich und bestimmt für einen eigenen Freiraum in Kiel einsetzt.
Unsere Erfahrung zeigt, dass positive Prozesse in Gang gesetzt werden, wenn eine Bleibeperspektive geschaffen wird. Wir wertschätzen unsere Umwelt noch mehr und fühlen uns für sie verantwortlich, sodass durch naturnah gestaltete Gärten und wilde, der Natur überlassene Bereiche, ein immer vielfältigerer Lebensraum für Vögel, Pflanzen, Amphibien, Insekten, andere Tiere und uns Menschen wächst.
Soziale Verantwortung, die nicht an der Wohnungstür endet, kreativer Umgang mit Armut in Zeiten steigender Mieten und teurer Wohnungen, individuelle und gemeinschaftliche Entfaltung – immer mehr Menschen sind fasziniert von dieser Lebensform und wünschen sich das Glück, die Tür zu öffnen und im Freien zu sein.
Darum unterstützen wir das Vorhaben der Wagengruppe Schlagloch einen
Wagenplatz zu gründen, denn der Aubrook ist leider nicht unendlich groß und Kiel als weltoffene Stadt braucht mehr Orte, an denen Menschen zu neuen Ufern aufbrechen.
Leinen los, Sailing City!

Solidaritätserklärung der Alten Meierei

Das Nutzer*innenplenum der Alten Meierei hat eine schlagkräftige und für uns sehr empowernde Soli-Erklärung formuliert! Vielen Dank dafür!

 

SOLIDARITÄT MIT DER WAGENGRUPPE SCHLAGLOCH

– FÜR MEHR BAUWAGENPLÄTZE!

Solidaritätserklärung des Nutzer*innenplenums der Alten Meierei

mit der Wagengruppe Schlagloch.

Am Montag, 29. Mai 2017 wurde der Wagenplatz Prüner Schlagloch auf dem brachliegenden Baugelände der zwielichtigen Firma „Möbel Kraft“ auf Anzeige des Eigentümers durch eine Gerichtsvollzieherin in Begleitung von etwa 50 Polizist*innen geräumt. Die Bewohner*innen konnten die angedrohte Beschlagnahmung ihrer Existenzgrundlage nur abwenden, indem sie sich mit ihren Wägen auf den Parkstreifen des Hasseldieksdammer Weg zurückzogen, während Polizei und private Sicherheitsdienste das Gelände abriegelten.

Die Wagengruppe Schlagloch hatte das ehemalige Kleingartengelände, an das seit drei Jahren nur noch vereinzelte Ruinen zerstörter Lauben erinnern und auf dem in den kommenden Jahren angeblich ein überdimensionierter Möbelmarkt in die Landschaft gesetzt werden soll, vor über einem Monat besetzt. Damit schufen sie für mehrere Wochen einerseits einen Ort des kollektiven und selbstorganisierten Wagenlebens, andererseits einen offenen Freiraum für unkonventionelle Kultur, emanzipatorische Politik und herrschaftskritisches Miteinander. Die Besetzer*innen holten das Leben zurück auf den gewaltsam verödeten Prüner Schlag und erhielten dabei vielfältige und zahlreiche Sympathie und Unterstützung von solidarischen und interessierten Menschen aus dem ganzen Stadtgebiet und darüber hinaus.

Dieser positive Widerhall der Aktion hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass das Kollektiv von Beginn an klarstellte, dass es ihm nicht nur um die Durchsetzung ihrer Forderung nach einem Wagenplatz geht. Vielmehr verstanden sie die Besetzung als längst überfällige Antwort auf den zunehmenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Kiel und eine städtische Politik, die an der schlechten Tradition der Zerstörung von Orten unkommerzieller kreativer Selbstverwirklichung und der Muße zugunsten von Konzerninteressen, Konsumtempeln und durchkommerzialisierten Events starr festhält. Dem in Kiel vielerorts vorherrschenden Zwang zum reglementierten und vereinzelten Vegetieren in überteuerten, beengten und verrottenden Wohnungen hinter von Straßenkunst und wilden Plakaten gesäuberten sterilen Betonfassaden haben die Besetzer*innen ihren lebendigen Gegenentwurf entgegengestellt. Dies haben sie getan nicht durch Bittstellungen an wohlwollende Eigentümer*innen und politische Verwaltungen, sondern durch die bewusste Verletzung der herrschenden Eigentumsordnung und die selbstbestimmte Aneignung des Raumes, den sie zum Leben brauchen. Dafür lieben wir sie!

Auch die Alte Meierei – genauso wie die Meisten der in ihrer Anzahl noch viel zu überschaubaren kollektiven Projekte widerständigen oder alternativen Wohnens und Lebens in dieser Stadt -, würde nicht existieren, wenn es in den letzten Jahrzehnten nicht immer wieder Menschen gegeben hätte, die es gewagt haben, den Widerspruch zwischen selbstbestimmtem Leben und der aggressiven kapitalistischen Verwertungslogik konfrontativ und auch entgegen der bestehenden Gesetze auszutragen. Die Hausbesetzungen der frühen 1980er in der Kieler City haben zwar die fatale Abrisspolitik, die gezielte Entmenschlichung des innerstädtischen Raumes und seiner Umwandlung in hässliche Konsumzonen am Ende nicht aufhalten können. Politik und Investor*innen konnten ihr Projekt der Stadtzerstörung jedoch nicht durchsetzen, ohne der Hausbesetzer*innenbewegung andere Räume zur Verfügung stellen zu müssen, an denen der widerständige Geist der Kollektivität und der Selbstbestimmung weiterleben konnte. Auch in der nun seit 34 Jahren andauernden Geschichte der Alten Meierei musste dieses Erbe immer wieder gegen die Bürokratiesierungsbestrebungen von Ordnungsfanatiker*innen aus dem Rathaus selbstbewusst verteidigt werden.

Dieser emanzipatorische Geist lebt fort, weil unter den herrschenden Bedingungen der kapitalistischen Unterwerfung von allen und allem unter die Tyrannei der Mehrwertproduktion kein befriedigendes Leben möglich ist und diese immer wieder Menschen zum Aufbegehren drängen. In Kiel ist das Prüner Schlagloch das aktuellste und vitalste Beispiel hierfür. Seit vielen Jahren hat es in dieser Stadt keine so konsequente und lang andauernde Besetzung mehr gegeben. Die Aktion hat damit Vorbildcharakter für sämtliche Kämpfe um Wohnraum, Kultur und Selbstbestimmung, die in dieser Stadt geführt werden oder geführt werden sollten.

Wir, die Nutzer*innen und Bewohner*innen der Alten Meierei, fühlen uns eng verbunden mit der Initiative der Wagengruppe Schlagloch – Euer Kampf ist unser Kampf! Ihr habt unsere vorbehaltlose Solidarität, wir stehen jetzt erst Recht weiter an Eurer Seite – inhaltlich, infrastrukturell, auf Euren zukünftigen Plätzen, auf der Straße. Von der Stadt fordern wir nichts, außer dass Sie alle Forderungen der Wagengruppe Schlagloch bedingungslos und umgehend erfüllt und ihre Finger ab jetzt von den Wägen unserer Freund*innen lässt, egal wo sie es sich zukünftig bequem machen werden. Die von der herrschenden Politik mitverursachte soziale Misere löst sich nicht durch das fragwürdige Versprechen von ein paar mehr prekären Jobs durch einen dubiosen Möbelriesen, sondern durch mehr Inseln des Widerstands, mehr emanzipatorische Experimente und mehr Aneignungsprozesse von unten. Von der Firma „Möbel Kraft“ verlangen wir, dass sie den von ihr geraubten und der Zerstörung preisgegebenen Prüner Schlag umgehend an die Allgemeinheit zurückgibt und sich aus der Stadt verzieht. Und unseren Freund*innen von der Wagengruppe Schlagloch wünschen wir die Ausdauer, Energie, Phantasie, Renitenz und soviel Platz, wie Ihr braucht, um Euer wundervolles und rundum vernünftiges Projekt zu verwirklichen.

Shut Up Commercial City – die Stadt den Menschen!
Für mehr Platz zum Leben – für mehr Schlaglöcher im Fundament der herrschenden Verhältnisse!
Wir bleiben alle!

Nutzer*innenplenum derAlten Meierei, 02.06.2017

www.altemeierei.de

Solidaritätserklärung des Wohnprojekts am Timmerberg

Das Wohnprojekt „Wohngenossenschaft Dampfziegelei e.G.“ am Timmerberg in Kiel-Wik hat uns eine tolle Solidaritätserklärung verfasst, die wir hiermit gerne dokumentieren möchten! Vielen Dank an euch, lieber Timmerberg, und an all die anderen solidarischen Menschen die uns auf vielfältige Art und Weise unterstützen!!

Soli-Stellungnahme:

“ Wagenplatz Schlagloch bleibt – Kiel braucht Platz für alternative Wohnformen
Wohngenossenschaft Dampfziegelei e.G. fordert OB zu ernsthaften Verhandlungen auf

Am Montag, den 29.5. wurde der Wagenplatz „Schlagloch“ vom Prüner Schlag geräumt. Wir protestieren gegen diese Maßnahme und solidarisieren uns mit der Wagenplatzinitiative.

Am 28.4. hatte die Wagengruppe Schlagloch einen Platz auf dem Prüner Schlag besetzt, um dort einen Wagenplatz zu errichten. Dort fanden basisdemokratisch und selbstbestimmt Konzerte, Kunstaktionen, Pflanzenbasare und politische Veranstaltungen statt. Mit ihrer Nutzung des Prüner Schlages knüpften die Besetzer_innen an die frühere Nutzung des Geländes an, diente das Schrebergartengelände vor dem Verkauf an Möbelkraft doch Kielerinnen und Kielern zur Erholung, Selbstversorgung  und selbstbestimmten Lebensgestaltung. Die Wagengruppe Schlagloch besteht weiter und fordert einen Wagenplatz, auf dem solidarisch, naturnah und kulturell offen gelebt und gewirkt werden kann.
Wir, die Wohngenossenschaft Dampfziegelei e.G. unterstützen dieses Anliegen und die Forderung nach einer Anerkennung und Legalisierung des Wagenlebens.  Nach unserer Überzeugung und Erfahrung sind alternative Wohnformen wie der geplante Wagenplatz eine richtige Antwort auf innerstädtische Probleme wie Wohnungsknappheit, Ressourcenverschwendung, Mietwucher und Flächenversiegelung. Gemeinschaftliche Wohnformen bieten zudem die Möglichkeit, dass Menschen über ihr Wohnumfeld direkt bestimmen, sich im Alltag gegenseitig unterstützen und sich für kulturelle Vielfalt öffnen.
In den Verhandlungen mit der Wagengruppe Schlagloch drohte Oberbürgermeister Kämpfer schnell mit der Räumung und Verschrottung der Wagen, sollten die Besetzer_innen nicht freiwillig gehen. Er sei zwar grundsätzlich für alternative Wohnformen, Raum für einen neuen Wagenplatz sei allerdings erst nach dem Verlassen des Geländes verhandelbar.

Als positives Beispiel für die Bereitschaft der Stadtverwaltung, alternative Wohnformen zu fördern, nennt der OB auch unsere Wohngenossenschaft. Dazu möchten wir anmerken, dass wir uns keinesfalls gegen die Wagengruppe Schlagloch instrumentalisieren lassen. Tatsächlich musste auch in der Wik jahrelang um alternative Wohnformen gekämpft werden. Der ehemals angrenzende Wagenplatz konnte nur durch eine Besetzung und eine breite öffentliche Unterstützung einige Jahre gegen die Räumungsabsichten des Liegenschaftsamtes verteidigt werden. Und auch das von uns mittlerweile sanierte Gebäude der alten Dampfziegelei konnte nur durch beherztes Auftreten in letzter Minute vor dem Abriss gerettet werden. Ohne Mut und öffentliche Unterstützung sind alternative Wohnformen in dieser Stadt offenbar nicht durchzusetzen.
Wir sehen in der Platzbesetzung am Prüner Schlag einen notwendigen Akt des zivilen Ungehorsams und begrüßen das politische Signal, dass von ihr ausgeht. Wir brauchen in Kiel mehr Orte des gemeinschaftlichen Wohnens und Lebens, mehr kreative Orte, in denen Menschen Anschluss und Ausdruck finden und mehr Protest gegen die auch in Kiel voranschreitende Zerstörung von bezahlbarem Wohnraum.

Anstatt den Wagenleuten zu drohen und sie zu kriminalisieren, erwarten wir von Oberbürgermeister Kämpfer ernsthafte Gespräche zur Errichtung eines Wagenplatzes, damit Kiel eine sozialere, weltoffenere und buntere Stadt werden kann. „